Kuhmilch
Identität
- Deutscher Name
- Kuhmilch
- Wissenschaftlicher Name
- Bos taurus, Lac
- Verwendeter Teil
- Frischmilch, Buttermilch oder Trockenpulver
- Kategorie
- Tierische Erzeugnisse
Charakteristische Inhaltsstoffe
| Substanz | Anteil | Anmerkung |
|---|---|---|
| Caseine | alpha-S1-Casein ist der mengenmaessig groesste Anteil und gilt als Hauptallergen | |
| Molkenproteine | beta-Lactoglobulin, alpha-Lactalbumin | |
| Milchfett | enthaelt Phospholipide der Milchfettkugelmembran, u.a. Sphingomyelin | |
| Lactose |
In der Seifenherstellung wird Milch als Fluessigkeitsanteil eingesetzt. Unter den alkalischen Bedingungen der Verseifung werden Proteine teilweise denaturiert und Milchzucker karamellisiert, was die typische Farbe erklaert. Wie viel intaktes bzw. immunologisch noch erkennbares Protein die Verseifung uebersteht, wurde in dieser Recherche nicht durch eine Primaerquelle belegt gefunden.
Studienlage
In der Recherche wurden auf keiner Evidenzstufe hautbezogene Studien gefunden.
- Humanstudien
- Tierstudien
- In-vitro-Studien
- Reviews und Metaanalysen
Keine kontrollierten Studien zur topischen Anwendung von Kuhmilch oder Kuhmilchseife an der Haut gefunden. Drei haeufig als Beleg herangezogene Studientypen sind ausdruecklich NICHT uebertragbar: erstens Studien zu Muttermilch (Kasrae et al. 2015, International Journal of Dermatology, DOI 10.1111/ijd.12764, RCT bei Saeuglingen mit atopischem Ekzem, Muttermilch ohne signifikanten Unterschied zu 1 % Hydrocortison; eine weitere Arbeit fand keinen Effekt) betreffen menschliche Milch, nicht Kuhmilch; zweitens Studien zu Milchphospholipiden bei atopischer Dermatitis betreffen die ORALE Aufnahme eines Milchgetraenks; drittens tragen mehrere kosmetische Studienprodukte das Wort Milch nur als Bezeichnung fuer eine Lotionsgrundlage und enthalten ueberhaupt keine Milch. Ergaenzung aus Zweitrecherche: Es existieren Studien zu einzelnen Milchbestandteilen, die aber saemtlich eine andere Darreichungsform betreffen. Lactoferrin (200 mg taeglich in fermentierter Milch, 36 Patient:innen mit Akne, 12 Wochen) senkte entzuendliche Laesionen um 38,6 % staerker als die Kontrolle, wirkte dabei jedoch ORAL ueber das Sebumprofil. Cremes mit Eselsmilch-Nanoliposomen (15 gesunde Probanden) erhoehten kurzfristig die Hydratation, sind aber ein Leave-on-Produkt und betreffen eine andere Milchart. Studien zu Kolostrum-Cremes bei reifer Haut und Akne wurden ohne DOI oder PMID geliefert und stammen offenbar aus Dissertationen. Topische Lactoferrin-Praeparate mit belastbarer Quelle wurden nicht gefunden. Fuer Casein, Molkenproteine ausser Lactoferrin und Lactose existiert keine einzige dermatologische Studie.
Sicherheitsaspekte
Anhang-III-Allergene
Keine deklarationspflichtigen Duftstoffallergene.
Sensibilisierung
Milchproteine gehoeren zu den haeufigsten Nahrungsmittelallergenen. Fuer die Anwendung auf der Haut ist die epikutane Sensibilisierung der relevante Punkt: ueber eine gestoerte Hautbarriere aufgenommene Lebensmittelproteine koennen eine systemische IgE-Antwort ausloesen und damit eine Nahrungsmittelallergie erst entstehen lassen. Bei bereits bestehender Kuhmilchallergie kann der Hautkontakt ausserdem Kontakturtikaria ausloesen.
Phototoxizität
Nicht phototoxisch.
Siehe den uebergreifenden Eintrag Milchproteine in Seifen zur Beleglage der epikutanen Sensibilisierung.
Wo die Beleglage dünn ist
Fuer einen Nutzen an der Haut wurde keine kontrollierte Studie gefunden. Die haeufig genannte Begruendung ueber Milchsaeure als Feuchthaltefaktor stuetzt sich auf Untersuchungen an freier Milchsaeure in sauren Leave-on-Formulierungen; in einer Seife liegt bei pH 9 bis 10 das Lactat-Salz vor und die Kontaktzeit betraegt Sekunden. Eine Uebertragung ist damit nicht belegt und wurde nie untersucht.
Redaktioneller Nachschlagebereich, strikt getrennt von den Produktseiten. Rein sachliche Darstellung des Untersuchungsstands. Keine Wirkversprechen im Sinne der VO (EG) 1223/2009 und der Claims-VO (EU) 655/2013.