Milchproteine in Seifen (uebergreifender Hinweis)
Identität
- Deutscher Name
- Milchproteine in Seifen (uebergreifender Hinweis)
- Verwendeter Teil
- betrifft ziegenmilch, kuhmilch und andere Milcharten
- Kategorie
- Einzelbestandteile und übergreifende Themen
Charakteristische Inhaltsstoffe
Kein eigener Rohstoff, sondern ein Sicherheitsaspekt, der fuer alle milchhaltigen Waschprodukte gilt.
Studienlage
Die folgende Gliederung trennt nach Evidenzstufe. Leere Stufen bedeuten, dass in der Recherche keine Arbeiten gefunden wurden.
Humanstudien
gesunde und vorgeschaedigte Haut
Typ: epidemiologische Untersuchung und Fallserien
Ergebnis: Der am besten dokumentierte Fall einer Sensibilisierung durch ein Lebensmittelprotein in einer SEIFE betrifft nicht Milch, sondern hydrolysiertes Weizenprotein: in Japan entwickelte eine grosse Zahl von Anwenderinnen einer bestimmten Gesichtsseife zunaechst Kontaktreaktionen und anschliessend eine weizenabhaengige, anstrengungsinduzierte Anaphylaxie. Die Sensibilisierung erfolgte ueber die Haut, der Verlust der oralen Toleranz folgte daraus.
Chinuki Y, Morita E (2012) „Wheat-dependent exercise-induced anaphylaxis sensitized with hydrolyzed wheat protein in soap“ Allergology International 61(4):529-537 DOI: 10.2332/allergolint.12-RAI-0494
Fukutomi Y et al. (2014) „Epidemiological link between wheat allergy and exposure to hydrolyzed wheat protein in facial soap“ Allergy DOI: 10.1111/all.12481
Quellenangabe wird derzeit geprüft
Tierstudien
Modell: Maus (BALB/c)
Ergebnis: Transdermale Gabe von saeurehydrolysiertem Weizenprotein fuehrte zur Sensibilisierung; die Studie stuetzt den Mechanismus der Sensibilisierung ueber die Haut.
Quellenangabe wird derzeit geprüft
In-vitro-Studien
Keine Studien gefunden.
Reviews und Metaanalysen
Keine Studien gefunden.
Fuer Milch selbst liegen Fallserien und Fallberichte vor, keine Kohortenstudien; eine Haeufigkeit laesst sich daraus nicht ableiten. Der Weizenseifen-Vorgang ist der bislang einzige Fall, in dem ein solcher Zusammenhang in grosser Zahl und epidemiologisch belegt wurde, und gilt in der Literatur als Modellfall fuer lebensmittelhaltige Waschprodukte.
Sicherheitsaspekte
Anhang-III-Allergene
Keine deklarationspflichtigen Duftstoffallergene.
Sensibilisierung
Eine gestoerte Hautbarriere gilt als der entscheidende beguenstigende Faktor. Seife wird in der Literatur ausdruecklich als wirksames Vehikel fuer eine solche Sensibilisierung beschrieben, weil Tenside die Barriere zusaetzlich durchlaessig machen. Die Autoren der einschlaegigen Arbeiten raten Personen mit entzuendlichen Hauterkrankungen von lebensmittelbasierten Hautpflege- und Waschprodukten ab.
Phototoxizität
Nicht anwendbar.
Wo die Beleglage dünn ist
Es existiert keine kontrollierte Humanstudie, die eine Milchseife mit einer sonst gleichen milchfreien Seife hinsichtlich TEWL, Hydratation, Irritation oder klinischer Hautscores vergleicht. Ebenso fehlt jede analytische Bestimmung dessen, was von der Milch im fertigen Stueck uebrig bleibt. Beides waeren die entscheidenden Untersuchungen und beide fehlen.
Verseifungschemie
Fette
Milchfett wird wie andere Triglyceride zu Fettsaeuresalzen und Glycerin verseift. Nach einer Analyse zum Kaltverfahren bleiben 1 bis 8 % der Fettsaeuren unverseift im fertigen Stueck, ueberwiegend ungesaettigte C18-Fettsaeuren. Eine Analyse, die milchtypische Fettsaeuren wie Buttersaeure oder Capronsaeure im fertigen Seifenstueck aufschluesselt, wurde nicht gefunden.
Proteine
Caseine sind gegenueber starker Lauge empfindlich. Physikochemische Arbeiten zeigen ab pH 10 bis 10,5 eine einsetzende irreversible alkalische Hydrolyse, bei der Casein in kleinere, phosphor- und schwefelfreie Fragmente zerfaellt. Da die Verseifung bei pH ueber 11 ablaeuft, ist von weitgehender Denaturierung und Hydrolyse auszugehen.
Milchzucker
Lactose wird unter NaOH ueber Lactulose zu Isosaccharinsaeuren und Galactose abgebaut; Galactose zerfaellt alkalisch rasch weiter, unter anderem zu Milchsaeure. Die gelbliche bis braeunliche Faerbung von Milchseifen geht auf diese Abbauprodukte zurueck. Eine Quantifizierung im fertigen Stueck existiert nicht.
Was Bleibt
Es wurde keine analytische Studie gefunden, die in einer fertigen Milchseife Proteine, Milchzucker oder milchspezifische Fettsaeuren misst. Vorhandene Arbeiten zu Milchseifen erfassen nur pH, Wassergehalt, Schaumverhalten und Gesamtfettsubstanz.
Widerspruch
WICHTIG: Aus der Chemie folgt, dass Milchproteine bei der Verseifung weitgehend zerstoert werden sollten. Die dokumentierten Allergiefaelle nach Ziegenmilchseife belegen jedoch, dass genug Proteinstruktur erhalten bleiben kann, um eine IgE-vermittelte Sensibilisierung auszuloesen. Der Nachweis erfolgte dort immunologisch, nicht analytisch-chemisch. Die Annahme, die Verseifung zerstoere alle Allergene, ist damit nicht belegt.
Quellen Status
Die Angaben dieses Abschnitts stammen aus einer Zweitrecherche und wurden ohne DOI oder PMID geliefert. Sie sind als nicht_abschliessend_verifiziert zu behandeln.
pH-Hinweis
Physikochemische Untersuchungen an Ziegenmilchseifen (lokale Fachzeitschriften, ohne DOI) berichten pH-Werte meist ueber 11 und einen Wasseranteil von etwa 11 bis 15 %. Ein pH in diesem Bereich schwaecht den Saeureschutzmantel voruebergehend, wie jede klassisch verseifte Seife. Eine Aussage, Milch mache eine Seife besonders mild oder pH-neutral, ist damit nicht vereinbar und durch keine dermatologische Untersuchung gestuetzt.
Redaktioneller Nachschlagebereich, strikt getrennt von den Produktseiten. Rein sachliche Darstellung des Untersuchungsstands. Keine Wirkversprechen im Sinne der VO (EG) 1223/2009 und der Claims-VO (EU) 655/2013.